96 GESCHICHTEN AUS ZWEI STÄDTEN



Er flüchtete vor den Häusern der Stadt, die sich bald nur noch als Schatten am Horizont abzeichneten, denen er aber stets noch einen Blick über die Schulter zuwarf, manchmal in der Hoffnung, sie mögen doch mit allem Leben in sich versteinern. Er wollte hinunter von den Straßen, eine letzte Geschichte außerhalb der Stadt platzieren. Die Sonne brannte und es roch nach müdem Asphalt. Er bog am hinteren Marktplatz ab, zog durch den botanischen Garten, durch die Anlagen der Kliniken, die er nicht wegdenken konnte, nicht wegdenken wollte, kam endlich beim Berg und bei den Wäldern an. Er schlug sich zwischen den Bäumen durch. Unter ihm knackten das trockene Holz, es hatte lange nicht mehr geregnet. Nach etwa eineinhalb Kilometern hob sich der Boden an und führte ihn eine Anhöhe hinauf. Dort fand er die Mauer. Sie war dreimal so groß wie er und knapp zweihundert Meter lang. Sie ließ sich ohne Probleme umgehen, obwohl sie ihm mitten im Weg stand. Erschöpft und mit vorsichtigen Schritten näherte er sich der Mauer und sah die Buchstaben, die winzig kleinen Buchstaben, und er stand an der Mauer und las die fünfundneunzig Geschichten, bevor er die sechsundneunzigste Geschichte fand und las, in der es um ihn ging. Er fühlte eine ungeheure Erleichterung, als die Geschichten für ihn ein Ende fanden. Dann legte sich die Nacht auf die Stadt, die Mauer und auf ihn und die Buchstaben versanken in ihrer Dunkelheit, als ob sie nie jemand gelesen oder geschrieben hätte.


Liebe Leser von Geschichten aus zwei Städten,

es haben sich nun sechsundneunzig Bilder und Texte in mehr als drei Monaten angesammelt, mit denen wir euch hoffentlich ein wenig Kurzweil bieten konnten. Im Hintergrund laufen bereits ein paar spannende Projekte, zu denen wir euch in der nächsten Zeit hier Infos geben werden. Bis dahin schrauben wir ein wenig den Rhythmus runter und tanken neue Energie. Aber keine Angst: Der Blog bleibt euch erhalten und wir liefern weiterhin. Nur eben vorerst nicht mehr täglich. Bleibt gesund und habt eine gute Zeit.

Julien und Björn

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