DAS AUGE DER GASSE



Ich hätte ihn ansprechen sollen, doch ich traute mich nicht. Er ging zielstrebig zur Gasse, verließ die Haltestelle, von der ich mich nicht trennen konnte. Von der Haltestelle selbst lag das Ende der Gasse so ungünstig, dass ich das Auge am Ende der Gasse von hier nicht sah, nur den Mann, der auf einmal dort verschwand, eingetaucht in das müde Licht der abendlichen Stadt. Nur er, der jetzt auf jenen gigantischen Augapfel eines Aamons zuging, der mich zuvor dort lidlos angestiert hatte. Ich wartete dort und rührte mich nicht. Und dann hörte ich die Stimmen. Tausende Stimmen. Um diese Zeit waren noch viele Leute unterwegs, aber es kam aus der Gasse, kein Zweifel, ein Chor, der einen dumpfen Ton sang, einen grollenden Schmerz, der über tausend Lippen ging. Für mindestens zwei Minuten musste es so gegangen sein, bevor ich mich bewegen konnte, bevor ich mich traute, mich zu bewegen. Der Asphalt unter mir schien auf einmal weich, meine Schritte fielen mir schwer. Nach einer Ewigkeit kam ich an der Gasse endlich an. Ich blickte vorsichtig um die Ecke und starrte in die Gasse. Kein anderer Anblick hätte mich in diesem Moment so erschüttern können wie die blanke Backsteinwand am Ende der Gasse.

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© GESCHICHTEN AUS ZWEI STÄDTEN