DIE LETZTE TRAURIGKEIT



Adaine trug bereits seit ihrer Kindheit schwer an ihrer Haut, die gänzlich aus Stein war. Jeden Tag verbrachte sie mehrere Stunden mit der Pflege ihres Äußeren und musste doch mit der Zeit mehr und mehr Risse und Brüche auf ihrer Haut hinnehmen. Stets fürchtete sie, dass sie bald auseinanderfallen müsste, und in diesem Gefühl war sie die traurigste Frau der Welt, was ihr jedoch vielleicht die einzige Leichtigkeit in ihrem Leben schenkte. Es begann, als die Trauer aus ihr herauszubrechen drohte und sie sich weinend auf dem Wohnzimmerboden fand. Sie zitterte für Stunden und stand erst am Abend wieder auf. Adaine trat darauf ans Fenster ihrer Wohnung und blickte zum Horizont, während ihr zwei tränengroße Stücke ihrer Haut von den Augen fielen und lautlos auf dem Boden unter ihr zerbrachen. Sie holte tief Luft und schrie und es war das Letzte, was man von ihr in diesem Leben gehört hatte.

22 Ansichten

© GESCHICHTEN AUS ZWEI STÄDTEN