IN DIE SONNE STARREN

Aktualisiert: Mai 20



Ich habe mir ein Theater eingerichtet, ein Schattenspiel, direkt an meinem Fenster. Manchmal sitze ich ganze Nachmittage dort und blicke hinaus. Ich ziehe nach einer Weile die Vorhänge zusammen, dass nur noch ein kleiner Spalt bleibt, und dann liegt die Bühne vor mir. Ein Weltentheater, in dem alles passieren kann. Gerahmt von meinen Gardinen, nur von mir beobachtet. Ich führe Regie, schreibe das Stück, bin sein einziger Zuschauer. Silhouetten stelle ich mir vor, von Leviathan und riesigen Greifen, die zwischen Himmel und Hölle sich bewegen. Ich bleibe dort sitzen, bis sich die Gestirne verschieben und ich für eine ganze Weile direkt in die Sonne starre. Dann wieder Schatten und Spiel und ein Vorhang, der nie fällt.

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© GESCHICHTEN AUS ZWEI STÄDTEN