VERFLOSSENE



Als Herr K mit seiner Tasse Kaffee am Esstisch in seiner Küche saß, entglitt ihm die Zeit. Oder wie er es später den Nachbarn erzählen würde: Er fiel aus der Gegenwart. Denn über der Morgenzeitung kam ihm der Gedanke, dass er sich nur das Vergangene und das Zukünftige vorstellen könne. Dazwischen fand er nichts, keine Reibung, keine Anziehung. Beide Wege tastete er mit seiner Vorstellungskraft ab und kam zum Schluss, dass er ja nur die Mitte zwischen Vergangenheit und Zukunft finden müsste. Kurz darauf bemerkte er seinen Denkfehler selbst, blieb ihm doch die Masse der vor ihm liegenden Ereignisse seines Lebens stets unbekannt, bevor sie nicht direkt eintrafen. War er beruhigt? Nicht wirklich. Trotzdem hielt er sich an dieser Sache fest, dass ihm die Zukunft ja auch unbekannt war, stand vom Esstisch auf und machte ein paar Schritte rückwärts aus der Küche, stets die leere Tasse im Blick, ob dort nicht doch auf einmal noch Kaffee überlaufen würde.

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© GESCHICHTEN AUS ZWEI STÄDTEN