WIE EIN SCHIFF UNTER DEM HIMMEL VERLOREN GING

Aktualisiert: Juli 27



Bis zu seinem Tod sollte Theseus keine andere Antwort finden, als dass sein einziges Schiff einst unter dem blauen Himmel verloren ging. An einem Hafen wettete er einst mit einem Männchen, das ihn herausgefordert hatte, doch wozu, das verriet Theseus niemandem. Jeden Tag sei ihm der Tausch eines alten Teils durch ein neues Teil erlaubt. Aus den alten Teilen solle er ein Schiff bauen, Stück für Stück, und mit den neuen Teilen sein Schiff erneuern. Und so lagen nach drei Jahren und dreiunddreißig Tagen zwei Schiffe in dem Hafen und Theseus sah sich als Gewinner in dieser Wette, schließlich habe er nun statt einem Schiff gleich zwei Schiffe. Das Männchen setzte seinen Worten nichts entgegen, sondern grinste nur und verschwand in einem flüchtigen Moment in einer Gasse. Nie hatten sie über einen Wetteinsatz gesprochen, wie so oft in der Menschheitsgeschichte ging es um die Ehre, und Theseus sah sich bereits als Held in den Sagen und Legenden, die sich die Menschen noch für Jahrhunderte erzählen würden. Was ihm Lohn genug war. Eine List sei ihm gelungen, dachte er bei sich, obwohl er nicht genau sagen konnte, worin die List letztlich bestand. Als ihm dies aufging, spürte er bereits die Dunkelheit, die sich wie eine Flutwelle am Horizont abzeichnete und ihn erst Jahre später unter sich begraben würde, ihre Strömung ihn in das Unbekannte mitreißend.

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