ZERSETZEND



Nebenan zog ein Mann ein und er sollte kein Mann bleiben, vielmehr begann er sich in dem möblierten Zimmer Stück für Stück aufzulösen, was er genoss, obwohl ihn der Verlust seiner Finger zuerst noch in einen leichten Zustand der Panik versetzte, aber eine freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung aus einer Notrufzentrale versicherte ihm, dass ihm nichts fehle, wobei sich jeder normale Mensch wundern muss, was das für eine Empfehlung mitsamt Diagnose durch ein Telefon einer Rettungsstelle ist, aber zumindest den Mann beruhigte die Angabe, während sich die Nachbarn im Haus langsam sorgten, denn stets hielt er seine Hand so, dass kein Mensch sie sehen konnte, dabei war dies ja erst der Anfang, was aber niemand wissen konnte, weder die Nachbarn noch der Mann, bei dem sich bald langsam erste Teile des Arms aufzulösen begannen, nur stellten sich die Menschen diese Auflösung auch anders vor, der Mann beschrieb sie als weit weniger dramatisch als in den Berichten der übrigen Bewohner des Hauses, vielmehr redete er von seinem Aufgehen in eine andere Materie, die er um sich herum wähnte, doch darauf angesprochen, konnte er nicht sagen, was denn diese andere Materie nun genau ausmachen würde, aber es war den Nachbarn egal, wie den meisten Menschen die absurden Erklärungen ihrer Mitmenschen egal sind, das Wichtigste bleibt dabei nämlich, dass die Erklärung nur für sie passt und das tat die Erklärung des Mannes, zumindest irgendwie, auch wenn die letzten Gläubigen spätestens beim Verlust seines kompletten linken Arms samt Schulter hätten zweifeln müssen, denn der Mann spürte sowohl Arm als Schulter noch für lange Zeit, allerdings waren sie ja weder zu sehen noch zu fühlen für andere Menschen, wie denn auch, der Mann versteckte den Ärmel zwar nicht besonders geschickt, aber die Leute in dem Haus waren alles andere als ebenfalls geschickt und so reichte es, dass er das Ende des Ärmels in den Hosenbund steckte, dass der Rest einfach nur eng an seinem Körper anlag, und die Bewohner des Hauses glaubten, dass sie den Mann nur aus einer ungünstigen Perspektive erblickten, so wie sie auf dem Hof noch lange Zeit seine Kleidung auf der Wäscheleine sahen, als er schon längst nicht mehr war und ihnen einfach nichts mehr zu diesem Mann oder seiner Geschichte einfiel. Manchmal griff der Wind noch in ein Hemd, das dort hing. Bis es eines Tages verschwunden war und niemand sich an den Namen des Mannes erinnern konnte.

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© GESCHICHTEN AUS ZWEI STÄDTEN