ZIMMER III

Aktualisiert: Juli 19




Kennen Sie das Gefühl, wenn sich die Welt aus den Angeln hebt? Ziemliche Phrase, ich weiß. Aber so geht es mir in diesem Zimmer. Wie ich hierhin gekommen bin? Das kann ich nicht sagen. Ich höre sie noch. Wie sie hinter der Tür sprechen. Manchmal schlägt jemand gegen die Wände. Ich sitze ganz ruhig auf dem Boden. Feuchtigkeit klebt auf meinen Wangen. Vielleicht weine ich. Lassen Sie sich gesagt sein: In so einer Situation lässt sich das doch sehr schwer sagen. Ein Lufthauch zieht durch eine der Ritzen in den Wänden und es riecht nach Blumen. Das kann nicht sein, werden Sie denken. Aber es erinnert mich an unseren Garten, dort, wo wir einst zusammen picknickten, wo Sarah das Sommerkleid trug, unter den Apfelbäumen, über uns der Himmel und die Unendlichkeit und ich weiß bis jetzt, dass dieser Moment nie enden sollte, aber enden musste, wie alle Momente. Daran denke ich gerade. Und an so viele andere Dinge. Wie ich als kleines Kind mir das Knie auf dem Straßenpflaster aufschlug und meine Mutter die Wunde mit einer Bürste reinigte. Ich streichle mir über die Stelle und lächle. Jetzt läuft eine Träne über meine Wange, sehr sicher. Ich lege meinen Kopf auf meine Knie und überlege weiter. Das Poltern wird lauter und lauter. Auch dieser Moment muss enden, nicht? Aber ich will nicht aufstehen, ich will sitzenbleiben und die Zeit mich davontragen lassen. Mir wird schwindelig und heiß. Meine Füße kribbeln, als ich weine. Ja, doch, vergessen Sie den Blödsinn mit der Welt aus den Angeln. Nichts ist aus den Angeln. Es ist, wie es ist: Ich in diesem Raum. Meine Gedanken bei einem Sommerkleid, das es seit Jahrhunderten nicht mehr gibt. Dann der Knall. Die Tür öffnet sich. Ich atme ein und die Luft brennt in meinen Lungen. Dann höre ich sie. Ich lächle, weil ich nicht anders kann.

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© GESCHICHTEN AUS ZWEI STÄDTEN