DER RISS IN DER WELT



Der Wald als Sehnsuchtsort. Dort stehen in der Mitte des Landes neunhundertvierunddreißig Nadelbäume dicht gedrängt und beherbergen vierzehntausendeinundsiebzig Insekten sowie vierhundertsieben Tiere wie Nasenmaulwürfe, Waldmäuse und Rüsselmarder. Sie alle laufen über den weichen Waldboden, auf dem sich Tannenzapfen und Moos sammeln. Die Luft ist stets erfüllt von dem Brüllen der Vögel. Unter diesem weichen Waldboden liegen auch die zwei toten Körper der Kinder, die es einst hierhin verschlagen hatte, ausgesetzt von ihren Eltern. Sie suchten nach einem Ausweg aus dem Wald und rannten doch nur verzweifelt im Kreis wie die Gedanken der Menschen, die sich die wildesten Märchen zu ihrem Verschwinden ausdachten, in denen Hexen und Lebkuchenhäuser, Rehe und Jäger vorkamen. Am Ende blieb den Kindern nur der Hungertod. Vor allem ihre Zähne sind heutzutage noch gut erhalten, wie sie dort zusammengepresst unter dem Moos liegen. Manchmal kreischt heute noch eine Elster auf den Ästen über ihnen. 

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© GESCHICHTEN AUS ZWEI STÄDTEN