FINGER UND MASKE



Hinter der Maske regte sich Leben, da war ich mir sicher, auch wenn Du es nicht zugeben wolltest, auch wenn Du Deine Lippen fest zusammenpresstest, in der Hoffnung, dass ich es nicht merken würde, doch ich sah wie sich die Maske hob, Deine Augen sich bewegten, wie Du die Hände hobst, unschlüssig, ob Du sie Dir vor den Mund schlagen solltest, ob Du es noch verhindern konntest, doch aus Deinem Zustand glittest Du hinüber in einen Krampf Deines Körpers, der Dich schüttelte und in die Knie zwang, dass Du Dir die Maske selbst vom Gesicht gerissen hast, die Leute schauten bereits auf uns und nahmen Abstand, ich wollte Dich stützen, aber Du schlugst meine Hand weg und dann kam erst ein langer, schwarzer Finger aus Deinem Mund, viel größer als ein menschlicher Finger es je sein könnte, die einzelnen Glieder zwischen den Gelenken viel zu groß, dass dieser Finger überhaupt in Deinen Mund gepasst hätte, langsam legte er sich auf Dein Kinn, Deinen Speichel auf der glänzenden, dunklen Haut des Fingers, die Fingerspitze mit dem schmutzigen Nagel unten auf Deinem Kehlkopf, wie er dort leicht drückte und über Deinen Hals strich, und dann folgten die anderen Finger und die Hand und der Arm und schließlich der ganze nackte und dunkle Körper, der Dir den Kiefer ausrenkte und wir blickten ihm beide hinterher, auf einer menschenleeren Straße, die nur noch Deine Maske trug und für einen Moment atmete die Welt auf.


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