ZIMMER II

Aktualisiert: Juli 17



Ich lag in dem Raum ohne Ausgang und stellte mir die geschlossene Tür vor, konnte an nichts sonst für den Moment denken. Es drang kein Licht durch kein Fenster und keine Ritze. Die Haare auf meinen Armen stellten sich auf. Ich fror. Meine Augen tränten, meine Finger versteiften sich. Die Dunkelheit des Raums zog sich um mich zusammen. Die Wände rückten an mich heran. Mein Puls dröhnte in meinem Kopf in einem Rhythmus, den mein Körper aus Urzeiten kannte. Es roch nach Rost. Ich hörte in der Ferne ein Poltern. Im Gang musste es einen Unfall gegeben haben. An meinem Hinterkopf spürte ich den harten Beton, die Struktur des Bodens. Ich rührte mich nicht. Jede Bewegung hätte Kraft gekostet. In der Dunkelheit spürte ich die Feuchtigkeit des Raums, die sich auf mich legte. Ich schwitzte an den Händen, am Rücken, im Nacken, obwohl es in diesem Raum nicht mehr als fünf Grad sein konnten. Mein Hemd klebte an meinem Oberkörper, die Nässe presste sich an mich. Ich atmete, daran erinnere ich mich deutlich, ich atmete und ich atmete im Rhythmus mit meinem Puls und dann entglitt es mir und alles geriet aus dem Takt und ich lag da, konnte mich nicht bewegen und ließ diese Dissonanzen über mich hinwegrollen. Wieder das Poltern wie ein Donner eines Gottes der Antike. Dieses Mal in einem anderen Gang. Ich wimmerte, kniff meine Augen zusammen, zog meine Beine an den Körper. Ich wollte verschwinden. Egal, was mich verschlingen würde. Ein Wort fuhr durch mich hindurch: Nein. Nein. Nein. Nein. Was nicht sein durfte, konnte nicht sein. Das Poltern direkt vor der Tür. Ich hörte die Vibration des Holzes, malte mir in der Dunkelheit aus, was folgen würde. Ich strampelte und schob meinen Körper in eine Ecke, drückte mich hinein. Tränen liefen über mein Gesicht. Dann hörte ich das Geräusch der Klinke, die sich langsam senkte. Und mir war klar: Es ist vorbei. Was nicht sein durfte, konnte sein. Ich sah seit langer Zeit zum ersten Mal wieder Licht, das aus dem Flur in mein Zimmer drängte. Dann ging es zum alten Wagen nach draußen und es nahm bald ein Ende.

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© GESCHICHTEN AUS ZWEI STÄDTEN